ein paar gedanken ...

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ein paar gedanken ...

Beitragvon svt » 1. Okt 2014, 10:03

wenn man jemand abspricht eine "unrealistische" angst zu haben, müsste man demjenigen auch absprechen ein problem mit seiner "geschichte" zu haben?
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon stachelfisch » 1. Okt 2014, 10:19

wie meinst du das? was bedeutet jemandem eine unrealistische angst absprechen?


eine angst ist da. ist ein gefühl. kann man nicht einfach absprechen.
man kann wohl aber sagen: schau mal, ich seh deine angst, doch ich kann dir auch sagen, dass das, vor dem du angst hast, nicht gefährlich ist.
diese spinne in der zimmerecke ist klitzeklien. und sie ist nicht giftig
sie kann nicht beißen und nicht stechen. es ist okay, wenn du sie nicht magst, nur panik schieben ist etwas übertrieben


wenn das was mit erlebter geschichte zu tun hat, dann wäre in dem fall die spinne ein trigger. weil (ich konstruiere mal ein beispiel) dieser jemand vielleicht eine spinne angefasst hat und dann kam in dem moment ein hund und hat den ins bein gebissen. da gibt es dann eine verknüpfung: spinne - dannn passiert was schreckliches. und klar verstehen andere nicht immer, dass spinne für den so schreckliche assoziationen beinhaltet. da wär ganz viel kopf-arbeit angesagt und neue, bessere erfahrungen mit der spinne. sodass irgendwann die verknüpfung spinne - hundebiss keine autobahn für die gedanken und gefühle mehr ist, sondern nur noch ein waldweg.
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon svt » 1. Okt 2014, 10:29

ich meine - ich drücke es jetzt mal salopp aus - wenn ich zu jemanden sage: deine angst ist heute unbegründet, weil heute unrealistisch, also hör auf deswegen "rum zu spinnen" , dann müsste ich doch auch sagen: deine empfindungen zur deiner geschichte sind heute unbegründet, weil heute unrealistisch, also hör auf deswegen "rum zu spinnen".
so überlege ich gerade.
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon Zelma » 1. Okt 2014, 10:32

Hallo svt,

nein, es ist etwas grundverschiedenes.

Beim Ersten handelt es sich um eine Art "Übertragung" - alte gefühle auf neue Erfahrungen gepackt. Bei zweiten sind es reale Gefühle zu der damaligen realen Situation.

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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon *v* » 1. Okt 2014, 10:55

ich finde das kommt ganz darauf an wie das vermittelt wird.

wenn mit "früher" verbunden ist dass meine gefühle nichts wert waren und nichts bedeutet haben,
und mir dann heute jemand sagt: "deine angst ist unrealistisch, also hör auf zu spinnen und komm klar!"
dann ist das eine widersprüchliche botschaft.

meine erfahrung ist dass wenn ich das so nach innen transportiere ich das gegenteil erreiche von dem, was ich wollte.

wenn ich aber sage: "guck mal das ist gar nicht gefährlich, ich nehm dich mal an die hand und zeig dir das."
dann ist es eine ganz andere kiste. aber dazu muss ich die angst - obwohl unrealsitisch - ernst nehmen und akzeptieren, dass ich sie durchs reine besserwissen und erst recht durch druck nicht wegbekomme.

lieben gruß
der vogel
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon rvt » 1. Okt 2014, 21:48

aber für mich ist es das gleiche
wenn b nicht mit ihren ängsten da sein darf, wieso sollte ich mit meinen da sein dürfen.
ich sehe mich bestätigt, wenn ich mich zurückziehe und meine, das es besser wäre nicht dazu sein.
wenn b´s ängste als anstrengend angesehen wird, was ist dann erst mit meins?
ich bin ein belastung.
aber danke s
du hast es immerhin versucht
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon minoe » 2. Okt 2014, 20:08

hey!

ich verstehe, dass es sich doof anfuehlt, wenn du angst mit wem teilst und die nicht ernst genommen wird. vielleicht ist es ja moeglich nach zu fragen, was die person damit wollte. warum das gesagt wurde. und du kannst zurueck melden, was das mit dir gemacht hat?
ich weiss grad nich ob es wichtig ist, was ich dazu denke. was brauchst du denn?

ich kann mir vorstellen, dass die person das aus sonem helfen ding heraus gesagt hat, so drauf hin zu weisen, dass du keine angst haben brauchst. aber da macht ganz viel der ton die musik. deshalb echt schwer zu beurteilen - und viellcihtmag ich das auch nicht, weil ich nicht weiss ob das hilfreich ist.
ist dir sowas schon mal passiert? kennst du diese situation schon von der person? ist dir sowas mit einer person schon mal passiert?
liebe gruesse und viel kraft!
minoe
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon vogel » 3. Okt 2014, 08:18

hallo r,

findest du es ist das gleiche was ich beiden an umgangsweisen beschrieb?

und was findest du daran gleich? dass beide male davon ausgegangen wird, dass die angst unrealistisch ist?

ich frage lieber erst mal zurück bevor ich etwas dazu schreibe, denn ich bin mir grade nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe.

lieben gruß
Wir sind, was wir sind. Und wir versuchen immer unser Bestes.
Es steht Ihnen nicht zu, die Kriterien festzulegen, nach denen man uns zu beurteilen hat.

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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon rvt » 4. Okt 2014, 22:50

minoe hat geschrieben:ist dir sowas schon mal passiert? kennst du diese situation schon von der person? ist dir sowas mit einer person schon mal passiert?
liebe gruesse und viel kraft!
nein - deswegen verwirrt es mich ja auch so.
bisher wurde alles was von einen von uns kam erst genommen.
aber urplötzlich wird auf den "tisch gehauen" und gesagt, das es nun schon zum wiederholten male dasselbe sei.

vogel hat geschrieben:findest du es ist das gleiche was ich beiden an umgangsweisen beschrieb?
und was findest du daran gleich? dass beide male davon ausgegangen wird, dass die angst unrealistisch ist?
ich weiß nicht, ob es das gleich ist.
ich weiß es echt nicht.
nur wir sind ja beide gleichrangig und wenn b. angst nicht realistisch, wie soll dann meine angst realistisch sein.
b. angst, weil sie in der vergangenheit sch... erlebt hat.
und ich habe angst, weil ich in der vergangenheit sch... erlebt habe.
wo soll, wo ist da der unterschied?
wir haben bei angst wegen der vergangenheit.
wenn b.´s angst unrealistisch ist, dann muss es meine auch sein.
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon stachelfisch » 5. Okt 2014, 15:50

nein - deswegen verwirrt es mich ja auch so.
bisher wurde alles was von einen von uns kam erst genommen.
aber urplötzlich wird auf den "tisch gehauen" und gesagt, das es nun schon zum wiederholten male dasselbe sei.
hm, naja,... ernst nehmen kann das trotzdem sein, oder?
ernst nehmen, dass einer wiederholt sagt, er habe angst vor spinnen und irgendwann aber mal sagen: mensch, das sagst du mir seit ewigkeiten aber das zu sagen alleine machts doch nicht besser! , was wollen wir tun, damit du dennoch in dieser welt, in der és nunmal auch spinnen gibt, leben kannst?
(oder auch: was kannst du denn tun außer angst haben, hast du ne idee? sag doch mal. denk doch mal vorwärts!)

ich weiß nicht, ob es das gleich ist.
ich weiß es echt nicht.
nur wir sind ja beide gleichrangig und wenn b. angst nicht realistisch, wie soll dann meine angst realistisch sein.
b. angst, weil sie in der vergangenheit sch... erlebt hat.

vielleicht hat das mit gleichrangigkeit nichts zu tun, sondern mit dem ungang. mit dem, was surch die angst anders wird.
(das weiß ich nun allerdíngs auch nicht)
wie wär es denn, wenn du sagst, was deine angst ist, und dann fragst, ob die abwegig ist?
vielleicht hörst du dasselbe, aber doch anders?
ich glaube, sobald ein trigger ins spiel kommt ist es generell stressig, denn die (nichtbetroffene) außenwelt sagt: mein gott, is doch nur ne spinne. und du spürst die angst und die ist da, ganz real. ob ein hund in der nähe ist oder nicht. die erinnerung an den biss ist größer und schmerzlicher als alles andere. vielleicht um so wichtiger, in angstfreien zeiten aus der entferning an hunde zu denken oder spinnen auf postkarten anzusehen. um wieder etwas in kontakt mit der logik zu kommen, die vielleicht immer sagt: da is nix zum angsthaben, scheiß dich nich ein.
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon kitsune » 5. Okt 2014, 20:07

svt hat geschrieben:wenn man jemand abspricht eine "unrealistische" angst zu haben, müsste man demjenigen auch absprechen ein problem mit seiner "geschichte" zu haben?


nein.
ich denke nicht.
ich denke, man kann durchaus sagen: "Deine angst ist heute nicht angemessen" und gleichzeitig sagen: "Früher war die angemessen und ich verstehe, dass du auch heute noch ein problem mit deiner geschichte hast."


svt hat geschrieben:ich meine - ich drücke es jetzt mal salopp aus - wenn ich zu jemanden sage: deine angst ist heute unbegründet, weil heute unrealistisch, also hör auf deswegen "rum zu spinnen" , dann müsste ich doch auch sagen: deine empfindungen zur deiner geschichte sind heute unbegründet, weil heute unrealistisch, also hör auf deswegen "rum zu spinnen".
so überlege ich gerade.

das sehe ich ebenfalls anders.
die gefühle zur geschichte sind die gefühle zur geschichte. sie gucken von heute auf "damals".
die heutigen ängste können unrealistisch sein, weil sie gucken heute auf heute - und das gefühl, die erfahrung, die angst, die erwartung von DAMALS schiebt sich IM HEUTE dazwischen.

versteckt: ein beispiel
in meiner geschichte haben meine geschwister mal eine zeitlang um mich zu ärgern in mein glas gespuckt. (weil ich da besonders empfindlich war). heute kann ich sagen: "boah, wenn ich da dran denke wird mir immernoch schlecht" - und ich kann gleichzeitig sagen: "wenn ich nun alle welt verdächtige mir ins glas zu spucken dann ist das unrealistisch. weil heute macht sowas keiner mehr bei mir"
und dann kann ich auch sagen, wenn die angst aufkommen sollte (vielleicht durch irgendeinen auslöser): "hey, krieg dich mal wieder ein. das ist quatsch was du da denkst" OHNE dass ich damit sage: "das ist anstellerei, dass du das immernoch kotzen könntest wenn du dran denkst."



ängste sind anstrengend. und für den der sich mit alten ängsten im hier und jetzt rumtragen muss, kann das ziemlich nervig sein.
und ich find man muss das auch so sagen und finden dürfen. wenn ich zu meiner tochter sage: "dieses verhalten von dir nervt, lass das!" dann bedeutet das nicht, dass sie "besser gar nicht da sein soll. oder keine berechtiugung hat.
verstehst du wie ich meine?

ich glaub es ist wichtig, da einen genauen unterschied zu machen.

setzt du dich grad irgendwie für b ein?
und findest das unfair, wenn ungleich behandelt wird, was in deinen augen das gleiche ist?

gruß,
ki
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Re: ein paar gedanken ...

Beitragvon rvt » 7. Okt 2014, 18:20

kitsune hat geschrieben:die gefühle zur geschichte sind die gefühle zur geschichte. sie gucken von heute auf "damals".
die heutigen ängste können unrealistisch sein, weil sie gucken heute auf heute - und das gefühl, die erfahrung, die angst, die erwartung von DAMALS schiebt sich IM HEUTE dazwischen.
das ist dann das ereignis was dann dazwischen liegt.
also ist das schon noch ein unterschied - irgendwie.

aber der eigentlich unterschied liegt eher daran, wie b. und ich mit diesen ängsten umgehen.
b. tickt halt aus und ich ziehe mich zurück.
und das ist dann auch ein unterschied für außenstehende
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