folgediskussion: neid

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folgediskussion: neid

Beitragvon stachelfisch » 27. Apr 2013, 10:12

hier im gastbereich, damit sich niemand nach außen hin outen muss, da es sich anscheinend um ein thema handelt, mit dem man lieber nichts zu tun haben will... das beweist die ausgangsdiskusion.
versteckt:
http://www.wildwasser.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=41754


neid. eifersucht, missgungst. kennen wir alle.
wie grenzt ihr das voneinander ab?
wie fühlt sich an?
wie kommts dazu?
worauf seid ihr neidisch? (im allgemeinen und im speziellen)
was macht ihr mit der ambivalenz: ich fühle neid - und ich weiß, dass das nicht gesellschaftsfähig ist?
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon anderergast;) » 27. Apr 2013, 11:08

Missgunst:
Der Vorteil soll in dem Sinn aus der Welt geschafft werden
> Die andere Person soll das verlieren, was ich nicht (auch) haben kann.

neidisch/eifersüchtig kann ich auch sein, ohne missgünstig zu werden.
Dann neide ich zwar, aber eher in dem Sinn: Du hast > ich will auch.
Und nicht: Ich hab nicht > Du sollst auch nicht haben!

Grundsätzlich bin ich kein neidischer, eifersüchtiger oder sogar missgünstiger mensch.
in Phasen kann ich das aber sein.

Ich schrieb an anderer Stelle:
wenn ich allerdings neidisch bin sagt mir das mehr über mich und was mir fehlt, als über den andern und was der hat. insofern ist mein eigener neid wieder ein faktor, der mir aufzeigt, dass was nicht stimmt.


Und genau so fühlt es sich auch an.
Und es fühlt sich beschissen an.

Momentan habe ich Zukunftsangst. Ich habe das Gefühl, alleine mit existenzieller Verantwortung zu sein, ich habe kein Backup. Nix auf der hohen Kante, meine Eltern sind pleite (- nicht dass ich ihr Geld haben wollen würde, aber selbst im absoluten Notfall wär da nichts zu holen-). Der Vater meines Kindes ist krank, hat weder Arbeit noch Geld und wird auch beides in diesem Leben nicht mehr bekommen. Da bleibt einiges an Verantwortung an mir alleine hängen. Ich lande immer wieder in prekären arbeitsverhältnissen, mein kind wird älter, die bedürfnislage ändert sich, ich würd soooo gern mal wieder verreisen. Es macht mich eng, es macht mir Angst.

Das ist der Moment in dem Neid auftaucht.
Neid, auf meine Freundin, die sich nach dem neuen Computer (will ich auch! brauch ich sogar) jetzt n neuen Roller (will ich nicht, aber!) gekauft hat und in den Sommerferien sechs Wochen verreist ("auch fürs Kind schön, weil"). Neid darauf, dass sie einen Vater hat, der für sein Enkelkind ein Sparkonto angelegt hat (uff!). Neid, dass sie ihm auch noch ein neues Fahrrad gekauft hat (brauchen wir dringend). Nicht irgendeins, sondern ein richtig tollen Cruiser (mir würd ja schon n normales Fahrrad reichen! grmpf)

Was mache ich damit?
Scheiße, diese Gefühle will ich nicht!
Das hat für mich mit dem "gesellschaftsfähig" nicht so viel zu tun, sondern eher damit, dass der Neid ambivalent mit anderen Gefühlen da ist. Guten Gefühlen. die übertüncht werden bisweilen von diesem dämlichen Neidgefühl.
Mitfreude mit dem Kind, das sich übers neue Fahrrad freut.
Mitfreude mit der Freundin, deren Job gerade gut läuft.
Ich frag sie, ob sie mir den neuen Roller mal zeigt. (in mir schreit was: steck dir deinen roller sonstwohin) Sie schwärmt. Ich seh die Freude in ihren Augen. (in mir sagt was: guck ma wie die sich freut. *kicher* schön, oda?)
Ich frag sie, ob sie mit mir mal einen Rollerausflug macht. Ich will mich lieber mitfreuen, als neidisch zu sein.
Ausserdem zeigt der Neid mir: Scheiße ey, hier fehlt echt was. Und ich kann ja keinen dafür verantwortlich machen. Alles meins meins meins!

Erkenntnis1:
meine "Seele" ist nicht weiß. Sie ist bunt. Mit schwarzen Punkten

Erkenntnis2:
Ich habe ein Problem. Mir fehlt zur zeit ökonomische Sicherheit.

Erkenntnis3:
Es IST so. Ich steh alleine da. ICH muss es ändern.
(arschloch gemeines!
...aber nun, nix neues. kenn ich schon. auch gut. muss ich halt tun. nützt ja nüscht. meins meins meins.)

Erkenntnis4:
Immerhin komme ich nicht an dem Punkt an, dass ich ihr wünsche sie würde das was sie hat verlieren. (Dafür bin ich dankbar.) Ich kann mich immernoch mitfreuen.
Manchmal ist meine Mitfreude getrübt.

Scheiß Mangel. Muss abgeschafft werden.
Ich versuche zuversicht zu finden, dass meine eigene Situation sich bessert.
Ich verstärke meine Bemühungen.
Und zwischendurch denk ich mir: Welt, du bist ein unfaires Arschloch.
Und dann ... freu ich mich besonders auf den Donnerstag abend.
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon Verena » 27. Apr 2013, 17:45

ich lese das in dem anderen forum nicht das ist mir zu lang

ich fühle einen stich im bauch wenn meine Freundin jemandem Kekse schenkt. Ich vertrage aber gar keine Kekse, also würde ich die Kekse doch gar nicht wollen. sie hat mir ja auch welche angeboten. das verwirrt mich.
ich bin eifersüchtig auf das Schenken, glaube ich.

ich fände das aber doof wenn sie keine Kekse mehr verschenken würde.
das verwirrt mich noch mehr.

LG Verena
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon stachelfisch » 27. Apr 2013, 18:02

verena,
versteckt:
du musst da gar nicht lesen, das war nur die erklärung für alle interessierten, wie ich af das thema komme.
an dem ort dort kann man solche diskussionen nicht führen, ohne sich der gefahr auszusetzen, in der luft zerrissen zu werden. denn dort gibt es nur "gutmenschen", die immer alles richtig machen - und eben solche, die sich mit dem falschen thema da hin begeben - und damit die perfekten opfer sind, auf deren rücken man sich als besserer mensch darstellen kann.
naja, das stimmt so ncht unbedingt, aber kann einem schon so vorkommen ;)
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon Gast » 28. Apr 2013, 11:11

oh mann... gerade hab ich nen Spruch zum Thema gelesen:
Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.

zuerst muss ich grinsen - und dann ärgere ich mich.
mein neid bezieht sich sicher nicht auf das, was sich andere verdienen. ich bin nicht neidisch auf den 6-wöchigen Bahamas-Urlaub, den sich meine Tante verdient hat, weil ich ja weiß, wie viele Überstunden sie dafür machte. ich bin neidisch, wenn meine Nachbarin zum dritten mal in diesem Jahr beim Lotto einen fünfer hat, wenn ausgerechnet sie, die verhätschelt und behütet und mit viel Geld, was sie nie verdienen musste, aufwuchs, nun auch noch einen reichen und schönen und netten mann bekommen hat, der sie auf Händen trägt und ihr gleich 2 Haushälterinnen für ihren 2-Personen-Haushalt besorgt, während ich all das nicht habe.
schön für sie, und ich gönne ihr das sogar! (in dem Fall bin ich nicht mal missgünstig) -
aber ich ärgere mich über die Ungerechtigkeit in der Welt. warum immer sie? warum nicht mal ich?
warum muss ich mir alles erarbeiten und verdienen, was anderen zufällt?

missgünstig bin ich auch. dann, wenn ich sehe, dass andere was bekommen, was ich auch dringend brauchen würde - und was ich nicht annehmen kann, weil es mir angst macht. weil ich befürchte, dass der dicke Hammer danach noch kommt. weil ich nämlich genau diese Erfahrung schon habe. missgünstig bin ich, wenn ich die Ambivalenz spüre zwischen haben-wollen und angst vor dem danach, was zu nicht annehmen wollen können führt. wenn ich Wut spüre, die der Schenker, der mich nicht bedacht hat (wegen was auch immer) , bei mir verursacht.
und ich hab mich auch schon getraut, das anzusprechen. und dann zu erfahren: würde ich ja bei dir auch tun, aber du willst das ja immer nicht macht's noch viel schlimmer. weil der dann nichts verstanden hat : (

ich bin neidisch (und weiß nicht, ob das nicht sogar schon Missgunst ist), wenn andere sich etwas durch viel Gezeter, Gejammer, Gejaule erschleichen: Aufmerksamkeit. Hilfe, Zuwendung. ich möchte das auch haben, aber ich möchte nicht drum betteln müssen. ich möchte mich nicht klein machen, um was zu bekommen. und ich gebe oft . warum gibt man mir nicht?
---> wego: die anderen sollen das (so , auf diese weise, durch diese "Bemühungen") auch nicht bekommen.
ich möchte, dass es reicht, wenn ich sage "es geht mir nicht gut". ich möchte nicht erst auf dem Boden liegen und rotz und Wasser plärren müssen, um in die Kategorie 'die braucht nun etwas nettes' zu kommen. ich möchte nicht unter Augenhöhe rutschen müssen.
und so paart sich bei mir (wenn ich also geben will) unter Umständen Verachtung mit Hilfsbereitschaft, was einen schwierigen Balanceakt erfordert, um das "opfer" erst mal wieder auf Augenhöhe hochzuholen, bevor ich wirklich da sein kann und will. und es hagelt Verachtung für alle, die dieses Gefälle etablieren und verstärken wollen. besonders, wenn ich mich in der opfer-rolle finden soll.

wie sich das anfühlt?- ich erlebe es als "die Welt ist ungerecht". ich bin dauer-enttäuscht und dauer-frustriert.
ich hätte doch auch mal so gerne, würde haben wollen, warum sieht mich keiner?... ich bin zu stark. das ist das Problem. was ich möchte, das steht nur "opfern" zu. und in die rolle begebe ich mich nicht mal dann, wenn ich nicht mehr kann.
und so sieht es dann eben so aus, als sei ich neidisch auf alle, die opfer sind.
lustig. weil ich will ja keines sein.
ich will nur auch was von dem Kuchen abbekommen. (und mitunter bekomme ich sogar was ab - was ich meist nicht annehmen kann... hach ja)

schwarz und weiß. aber um das klar zu stellen: das ist nicht mein denken.
nur macht dieses denken ( boah wie ungerecht ich das finde), dass ich, die ich mich eher irgendwo in einem dazwischen liegenden bereich sehe, jedoch von außen in eine der Extrempositionen gezwängt werde, sodass ich gerne geben darf (denn wer kein opfer ist, der hat ja mehr als andere und soll geben) aber nie was bekomme (mit derselben Begründung), einfach nur frust.

Wut, Neid, Missgunst.
mir ist zu wenig passiert, um Hilfe zu bekommen (oder Annahme, Zuwendung etc) ich habe kein recht auf Gleichbehandlung.
und dass ich subjektiv nicht mehr kann, macht mich noch immer nicht zum Berechtigten.
ach wie schön wäre es nun, wenn ich etwas vorweisen könnte, was alle anerkennen würden. ach wie schön wäre es, wenn ich nicht immer um Anerkennung kämpfen müsste.

vielleicht ist Wut das angemessenste aller Gefühle.
denn Neid ist es nicht.
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon Chill-out » 28. Apr 2013, 14:01

Also ich bin klar eifersüchtig. Aber auch nicht nach dem Motto: ich gönne es anderen nicht, sondern eher: ich würde auch gerne haben aber es ist okay das du es hast.

Neid ist schwierig abzugrenzen. Also Neid finde ich negativer. Neidisch sein auf etwas und akut dran dazu tun damit das der Andere nicht genießen kann.

Eifersüchtig finde ich in Kontext was freundlicher. Und eher im beziehungsreich.
Ich hatte gerne eine funktionsfähige Familie in Hinblick auf Eltern. Keine die mich ablehnen...
Wenn ich Familien sehe die meinem Bild der perfekten Familie präsentieren wünsche ich mir das auch. Ohne andern das nicht zu gönnen.

Bei Neid gönnt man es dem andern nicht.
So mein Verständnis.

Manchmal denke ich: wenn Leute es nicht zu schätzen wissen wie gut es ihnen geht bzw. Sich verhalten als Seien sie die ärmsten Menschen der Welt, Dabei fehlt es ihnen an nichts, dann denke ich mir auch: hast das alles verdient was die gutes passiert.

Das ist keine gute Eigenschaft da ich das in frage stelle, das derjenige das verdient hat.

Ich finde das leben auch manchmal unfair. Also ich denke mit passiert mehr Scheisse als anderen. Ob das so ist weiß ich nicht.
Missgunst okay...
Wie geschrieben denke auch oft: wieso passiert mir das. Könnte ich drauf verzichten.

Zb wenn ich mich anstrenge was zu erreichen und anderen fliegt das zu. Ärgert mich das auch!

Wenn ich zb was tolles erlebt habe und jemand mir das modrig macht und alles viel toller erlebt hat... Nervt mich das und ich missgönne ihr das weil es mich nieder macht

Was ich aber jemandem nicht gönne, ist es glücklich zu sein, wenn derjenige andere leben zerstört hat, Freunde wie Dreck behandelt und demjenigen jede Einsicht und ein Lerneffekt verschlossen bleibt.
Indem man sich nur gut fühlt indem es anderen schlecht geht. Demjenigen missgönne ich jede Art von Glück. Allerdings ohne aktiv dazu beizutragen

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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon Zelma » 7. Mai 2013, 12:10

Hallo,

diesem Themenblock kann ich mich nur langsam und stückchenweise annähern. Offensicht „stresst“ mich dieses Thema. Doch ich finde es viel zu interessant, als das ich ihm aus dem Weg gehen möchte. Deshalb eben schrittweise …

Lange Zeit verbot ich mir Neid und Eifersucht, wusste nicht mal, wie sich das anfühlt. Bewusst war mir das nicht. Erst als ich einen entsprechenden Flash hatte, in dem es auch um Eifersucht ging und später an dieser Erinnerung arbeitete, wurde mir das klar. Noch heute versuche ich mich diesen Gefühlen und Gedanken vorsichtig anzunähern. Noch heute macht es mir Angst mich diesen Gefühlen und Gedanken anzunähern.
Und schon bin ich mitten drin, denn diese Frage:

was macht ihr mit der ambivalenz: ich fühle neid - und ich weiß, dass das nicht gesellschaftsfähig ist?


Passt ganz gut dazu:

Noch immer habe ich den Impuls Neid und Eifersucht "wegzudrücken", zu negieren, weil es nicht sein darf. Ob dies ausschließlich gesellschaftlichen Normen sind, wage ich zu bezweifeln. Nein, ich bin sicher, dass es – zumindest bei mir - mehr ist.
Im Alltag rutscht mir das „Wegdrücken“ vermutlich oft durch. Wenn ich einen zeitlichen und entsprechend gefühlt sicheren Rahmen habe, versuche ich das dann manchmal zu reflektieren. Dazu versuche ich das Gefühl bzw. den Gedanken ohne Bewertung erst mal nur wahrzunehmen. Für mich ist es wichtig mir an diesem Punkt die Erlaubnis zu geben, diese Gefühle und Gedanken zu haben. Denn was ist denn an solchen Gefühlen schlimm? Nichts, so lange ich aus Neid keine entsprechende Aktionen starte und ich es nicht zulasse, dass mich dieses Gefühl "zerfrisst". Wenn ich mir diese Erlaubnis nicht geben würde, wären sonst allzu schnell destruktive Stimmen in mir viel zu laut und mächtig und ich würde innerlich aussteigen müssen. Die Angst wäre für einzelne Anteile zu groß.

So, der Anfang wäre gemacht ...

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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon stachelfisch » 7. Mai 2013, 14:30

@zelma,

Lange Zeit verbot ich mir Neid und Eifersucht, wusste nicht mal, wie sich das anfühlt

Ob dies ausschließlich gesellschaftlichen Normen sind, wage ich zu bezweifeln
Denn was ist denn an solchen Gefühlen schlimm? Nichts, so lange ich aus Neid keine entsprechende Aktionen starte und ich es nicht zulasse, dass mich dieses Gefühl "zerfrisst".

weißt du, aus welchen gründen du dir diese gefühle verboten hast, so sehr, dass du die nicht mal mehr fühlen konntest, wenn du -rational betrachtenderweise - sogar sagst, dass das keine "schlimmen" gefühle sind?


ich hänge noch an den gesellschaftsnormen. es gilt als ziemlich kleinlich , kindisch, zeugt von engem und kleinlichen geist und wird gern mit egoismus in einen kopf gewofen, wenn jemand neidisch ist oder eifersüchtig. was machen solcherlei zuschreibungen mit dem, der neid empfindet? oder eifersucht? oder gar missgunst?
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon vogel* » 7. Mai 2013, 15:20

ganz kurz nur. mir ist grade beim hier reinlinsen wieder eingefallen, was ich neulich irgendwo gelesen habe. nicht über neid und eifersucht, sondern über das sich-vergleichen mit anderen personen, was ja aber sehr verwandt ist damit und auch von dem gefolgt sein kann.

nämlich dass viel dabei an der vorstellung hängt: es gibt nicht genug von alldem. wenn person a das hat, kann ich es nicht mehr haben.

der artikel den ich las hat dazu aufgerufen, sich von dieser vorstellung zu verabschieden, da viel worüber man neidisch ist wenn man sich mit anderen vergleicht, kein aufbrauchbares gut sei. intelligenz, wärme, "schönheit", ...
teilweise geht das sicher auch, allerdings bestimmt nicht immer, vor allem wenn es um materielle ressourcen geht. und vor allem kann man es so schnell nicht ändern, wenn man es selbst nicht "hat". egal was es ist.

wirr und im vorbeiflug
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon Gast » 7. Mai 2013, 15:34

weiß nich, ob man das übertragen kann.
wenn du nen geregelten job hast und ne funktionierende, liebevolle familie, anerkennung und n neues auto - und ich hab das nicht und trotz aller bemühungen komm ich da nie hin... dann ist da definitiv zu wenig glück auf meiner seite und "zu viel" auf deiner.
und wenn du dafür schlafprobleme hast und bulimie, die du beide nicht los wirst, dann wirst du mich beneiden, weil ich seit 4 jahren meine spielsucht los bin und das aus eigenem antrieb geschafft habe und hervorragend schlafen kann-
da ist nichts mit vergleichen aufhören und es ist genug für alle da und schon brauchts keinen neid mehr. :notamused:
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon anderergast » 7. Mai 2013, 15:45

es IST ja auch einfach nicht genug für alle da.
weder materiell noch immateriell.
menschen sind unterschiedlich ausgestattet. in jeglicher hinsicht.
die welt ist unfair.
und an der stelle wo ich einen mangel spüre werde ich den anderen beneiden, der den mangel - in meinen augen - nicht hat.
als beispiel: wenn ich neidisch bin auf die schönheit einer andern person, dann ist mir das sogar ziemlich egal, dass die sich möglicherweise selbst nicht mal schön findet. und ich werde auch nicht zufriedener davon, dass ich mir sage, dass schönheit ein unbegrenztes gut ist, was nicht von der andern person aufgebraucht worden ist, denn das ändert an meinem subjektiv empfundenden mangel an schönheit rein garnichts.
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon vogel* » 7. Mai 2013, 16:54

ja leider... schade dass das immer nicht so klappt mit den denkdirdieweltschön-spielchen. :roll:
wenn man die zu ernst nimme führt das nur dazu, dass man sich wieder gefühle verbietet und sie durch irgendwelche stellvertreterkonflikte auslebt.
allerdings ein bisschen hilfreich find ich das als gedankenexperiment schon.
und ein bisschen tröstlich sogar manchmal auch.
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon Zelma » 7. Mai 2013, 19:15

weißt du, aus welchen gründen du dir diese gefühle verboten hast, so sehr, dass du die nicht mal mehr fühlen konntest, wenn du -rational betrachtenderweise - sogar sagst, dass das keine "schlimmen" gefühle sind?


Es war nicht nur diese Gefühle, sondern wirklich alle. Es war für mich erschütternd festzustellen, dass ich Gefühle nur gedacht, jedoch nicht richtig gespürt habe.

Heute weiß ich, dass Gefühle erst mal nichts schlimmes tun können, stachelfisch. Damals war mir das nicht klar. Bereits sehr früh muss ich wohl Gefühle abgespalten habe, weil ich es sonst nicht ertragen hätte. Gefühle waren - und sind es manchmal auch heute noch - mit lebendbedrohlichen Situationen verbunden. Deshalb die Abspaltung.

Zu den Gefühlen/ Gedanken: Neid, Eifersucht und Missgunst.
Ich wurde sehr konservativ religiös erzogen. Eine gute Christin durfte solche Gefühle nicht haben. Neid ist eine der Drei Todsünden und mir wurde bereits als Kleinkind gut eingetrichtert, was Menschen geschieht, die solche Gefühle und Gedanken haben: ewiger Tod und Verdammnis. Meine Eltern setzten da noch mit ihren Erziehungsmethoden eins drauf.
Sobald ich doch mal Neid, Eifersucht und ähnliches zeigten, wurde ich - vor allem von meiner Mutter - bestraft. Andereseits war sie selbst unglaublich neidisch. Auch auf mich. Das wurde mir jedoch erst in den letzten Jahren klar. Es fand also eine Art "Übertragung" statt. Wenn ich neidisch war konfrontierte ich meine Mutter unbewusst mit ihrer eigenen Angst und dem eigenen Verbot von Neid und deshalb bestrafte sie mich. Weiter vermittelte sie mir das Gefühl, ich würde sie verraten, wenn ich neidisch wäre. Aus welchen Gründen auch immer ... .

Natürlich spielen dann noch die gesellschaflichen Normen eine - bei mir gefühlt untergeordnete - Rolle. Unsere gesellschaft ist ja auch christlich geprägt ... .

So, für heute reichts ... .

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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon stachelfisch » 9. Mai 2013, 11:10

jemandem etwas "nicht gönnen", weil ich es auch nicht bekomme und der das deswegen auch nicht haben dürfen soll, das ist missgungst.
jemandem das, was er bekommt, nicht abspenstig machen wollen, aber eben das auch haben wollen, besonders wenn man es nicht bekommt - das ist neid.
eifersucht ist, wenn ich nicht auf die gabe oder zuwendung, die der andere bekommt, mit neid reagiere, sondern auf den menschen, wenn ich das gefühl habe, persönlich (immer öfter) benachteiligt zu werden.das hat so was von ich armes opfer,, finde ich
das gefühl: ich gönne es dir wirklich, ich hätte es aber auch wirklich gerne... wie heißt das? wenns nicht neid ist, weil neid bedeutet ja immer auch eine beziehungsstörung zu demjeneigen, dem ich etwas neide - oder?
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Re: folgediskussion: neid

Beitragvon anderergast » 9. Mai 2013, 12:08

stachelfisch hat geschrieben:das gefühl: ich gönne es dir wirklich, ich hätte es aber auch wirklich gerne... wie heißt das? wenns nicht neid ist, weil neid bedeutet ja immer auch eine beziehungsstörung zu demjeneigen, dem ich etwas neide - oder?

Ich würde das Neid nennen - und von Missgunst unterscheiden.
(Ich denke es gibt Neid inklusive Wohlwollen und Neid inklusive Missgunst)
Ich würd auch nicht sagen, dass Neid immer eine Beziehungsstörung ist. Wenn man anfängt sich daran festzubeissen und den andern nicht mehr als Ganzes, sondern vor allem in Hinblick auf "was hast Du was ich nicht habe" zu betrachten, dann geht das schon in Richtung Beziehung wird gestört.
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